De Gulden Passer. Wohnen und arbeiten unter einem Dach.

Das Heim und die Wirkungsstätte von Christoph Plantin wechselten mehrmals den Ort. Ab 1576 schafft er die Grundlage für den Ort, an dem fortan neun Generationen wohnen und arbeiten sollten und der später zum Museum Plantin-Moretus wurde.

Eine chronologische Übersicht von mehr als 400 Jahren Baugeschichte.

1550

ontwerp drukkersmerk door Peter Paul Rubens

Plantin arbeitet als Buchbinder im Stadtviertel Lombardenvest. In dieser Nachbarschaft wohnen einige Dutzend Drucker.

 

1552

titelpagina La institutione

Plantin wohnt in der Twaalfmaandenstraat. Dort installiert er seine erste Druckpresse. Das erste Werk, das er verlegt, ist La institutione di una fanciulla nata nobilmente, ein Heft über die Erziehung von höheren Töchtern.

 

1557

detail uit de lijkstoet van Karel V

Plantin wohnt in der Kammenstraat, seinerzeit die Hauptstraße der Stadt. Hier druckt er den Text für den Trauerzug von Kaiser Karl V. In diesem Haus werden verbotene Bücher gefunden. Plantin flüchtet für eine Weile nach Paris.

 

1564

Houten gevel van een huis in de Kammenstraat

Plantin mietet einige Häuser in der Kammenstraat und in der Valkstraat. In einem dieser Häuser betreibt er auch ein Geschäft. Seine Tochter Marguerite wohnt mit ihrem Mann Raphelengius und ihren Kindern über dem Geschäft in einem 3,5 mal 4,5 Meter großen Zimmer.

Ab 1561 erhält sein Betrieb einen neuen Namen: 'De Gulden Passer'. Im Geschäftsraum steigert sich die Anzahl der Druckpressen. 1565 sind es sechs an der Zahl. Im Jahr darauf kommt eine weitere Presse hinzu. Ab dieser Zeit sprengt Plantins Unternehmen die Dimensionen.

 

1568

titelpagina Polyglot Bijbel

Plantin mietet sieben Häuser in der Bergstraat (heute Gierstraat), sowie in der Valkstraat und der Kammenstraat. Hier druckt Plantin seine mehrsprachige Bibel. Er erhält zudem das Monopol für sämtliche unter spanischer Herrschaft stehenden Gebiete. Sein Unternehmen wächst zu einem regelrechten Pressekonzern heran.

 

1576

kantoor Christoffel Plantijn

Plantin mietet ein Gebäude zwischen Hoogstraat und Vrijdagmarkt. Das Haus erhält den Namen 'De Gulden Passer'. Hier ist genügend Platz für 16 Druckpressen und sogar für eine Wohnung. Das Gelände verfügt auch über einen großen Garten. An diesem Ort sollten fortan neun Generationen wohnen und arbeiten.

Die Spanische Furie zieht das Druckergewerbe arg in Mitleidenschaft: Im Januar 1577 hat Plantin nur noch drei Druckpressen in Betrieb.

 

1579

drukkerij

Plantin wird Eigentümer eines kleinen Wohnhauses, das über ein Tor am Vrijdagmarkt erreichbar ist. In einer Ecke seines Gartens richtet er seine neue Druckwerkstatt ein. An der Heilige Geeststraat lässt er einige Häuser bauen, die er vermietet.
In den Jahren 1578/1579 hat Plantin wieder fünf bzw. sechs Druckpressen in Betrieb. 1581 sind es bereits acht.

 

1583

gedenksteen aan Sociëteit Minerva in Leiden

Die Belagerung von Antwerpen ist absehbar, und in der jungen Universitätsstadt Leiden besteht ein dringender Bedarf an einer gut ausgerüsteten Druckerei. Plantin erwirbt 1582 ein Gebäude in der Leidener Breestraat und zieht Ende April 1583 gemeinsam mit seiner Ehefrau und mehreren seiner Mitarbeiter nach Leiden. Er baute dort eine Filiale auf und wird offizieller Drucker der Leidener Universität. Hier druckt er den Spiegel der Zeevaerdt von Lucas Waghenaer.

Seine Schwiegersöhne Jan I Moretus und Franciscus Raphelengius betreiben weiterhin das Mutterunternehmen in Antwerpen.

 

1585

Jan Luycken, Het beleg van de stad Antwerpen, 1584-1585 

Nach dem Fall von Antwerpen im August 1585 kehrt Plantin aus Leiden zurück in den Gulden Passer. Er will zum wichtigsten Drucker der katholischen Gegenreformation werden.

1586

kamer van Justus Lipsius in de Officina Plantiniana

'Oh, ich hoffe, dass du hierher gelangen kannst. Es wird dir wirklich an nichts fehlen. Ein sehr bequemes Zimmer wartet auf dich [...] Wir haben hier Getreide und extrafeines Mehl, eine Handmühle, einen Ofen ... alles wird jetzt daheim zubereitet. Es gibt Wein, die leckersten Biere, Pökelfleisch, Hühner, die ab und zu ein frisches Ei legen, einen schönen Garten – kurzum: allen notwendigen Komfort für den äußeren Menschen – wessen du dir gewiss sein kannst – ein Herz, das dir völlig hingegeben ist.'
Plantin in einem Brief an Justus Lipsius.

 

1610

testament Jan I Moretus

Jan I Moretus und seine Frau Martine bestimmen, dass der fähigste Sohn das Unternehmen, und damit auch das Haus De Gulden Passer, erben soll. Diese Regel wird auch in den späteren Generationen respektiert.

 

1621

Bathasar I nimmt große Umbauarbeiten vor. Der Innenhof erhält sein heutiges Aussehen. Balthasar I beginnt auch mit der Tradition, von jedem Geschäftsführer eine Büste anfertigen zu lassen.

 

1639

Balthasar I Moretus verlegt die Buchhandlung, die sich bis zu dieser Zeit in der Kammenstraat befand, in den 'Gulden Passer' am Freitagsmarkt. Das Geschäft erhält sein Quartier im Westflügel (der heutigen Lektorenkammer), abgetrennt von der Druckerei. Kunden gelangen über den Innenhof dorthin.

 

Rond 1700

Die Buchhandlung bezieht ihr heutiges Quartier an der Heilige Geeststraat. Potentielle Käufer brauchen seit dieser Zeit nicht länger den Weg über den Innenhof zu nehmen, womit der Privatsphäre der inzwischen in den Adelsstand erhobenen Familie Moretus Rechnung getragen wurde.

 

1761

ontwerptekening voor de 18de eeuwse voorgevel

François-Jean Moretus lässt die kleinen Häuser neben dem Eingangstor am Vrijdagmarkt abreißen. An deren Stelle tritt ein repräsentatives Vorderhaus. Dieses Gebäude wird mit den um den Innenhof gelegenen Flügeln aus dem 17. Jahrhundert verbunden.

 

1876

Edward Moretus verkauft den Gulden Passer am 20. April 1876 an die Stadt Antwerpen.

 

1877

Der 'Gulden Passer' wird zum Museum Plantin-Moretus und öffnet am 19. August 1877 seine Tore für die Öffentlichkeit.

Museum Plantin-Moretus
Weltkulturerbe der unesco