Die 36-zeilige Gutenbergbibel

Die 36-zeilige Bibel ist ein Monument der Druckgeschichte. Das Augustinerkloster in Nürnberg schenkte diese Bibel 1514 seiner neuen Antwerpener Schwestereinrichtung. Als das Kloster 1522 aufgrund von Sympathien für die luthersche Lehre aufgelöst wurde, kam die Bibel in den Handel. Niemand weiß, wie sie danach in Plantins Bibliothek gelandet ist.

Eines der 14 übrig gebliebenen Exemplare

Die sogenannte „36-zeilige Gutenbergbibel”, die ihren Namen der Anzahl der gedruckten Zeilen pro Spalte zu verdanken hat, war die zweite Bibel, die in Europa gedruckt wurde. Es handelt sich hierbei um das älteste gedruckte Werk in einer belgischen Einrichtung. Von der 36-zeiligen Bibel sind weltweit nur 14 Exemplare erhalten. Sie hat als eine der ältesten noch erhaltenen gedruckten Bücher einen unschätzbaren Wert. Die Bibel wurde mit dem ursprünglichen Letternmaterial von Joannes Gutenberg gedruckt und verweist somit unmittelbar auf die Erfindung der Buchdruckkunst.
 

Die zweitälteste Bibel

Die Historiker dachten lange Zeit, dass diese Ausgabe aus dem Jahr 1461 - oder noch früher - die älteste sei. Die 42-zeilige Gutenbergbibel aus den Jahren 1452-1455 ist anscheinend aber noch älter. Bei der 36-zeiligen Bibel weisen verschiedene Elemente auf Bamberg als Herstellungsort hin. Sie könnte dort von Albrecht Pfister gedruckt worden sein. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass auch noch andere Drucker Bibeln mit dem Letternmaterial Gutenbergs gedruckt haben.
 

Augustinerkloster geschlossen

Das Exemplar im Museum Plantin-Moretus hat eine besondere Herkunft. Die Bibel war ein Geschenk der Augustinermönche aus Nürnberg an ihre Ordensbrüder in Antwerpen, die dort 1514 ein neues Kloster gründeten. Die Antwerpener Augustiner wurden aber schon wenig später der Ketzerei beschuldigt. 1522 wurde ihr Kloster aufgelöst und ihr Besitz öffentlich versteigert. Wie die Bibel danach in der Bibliothek Plantins gelandet ist, wissen wir nicht. 
 

 

Museum Plantin-Moretus
Weltkulturerbe der unesco